Bei der Urlaubsplanung für unsere Marokko-Woche Ende November wurde mir rasch klar, dass das Atlas-Gebirge nur knappe 70 Kilometer von unserem Ankunftsort Marrakesch entfernt liegt. Etwas im Internet recherchiert und schon war ein Ziel gefunden. Zugegebenermassen, der Jebel Toubkal mit seinen 4.167 m als höchster Berg im Atlas und Nordafrika, weckte schon alleine wegen seiner Höhe mein Interesse. Vermutlich hätte es noch einige wesentlich interessantere Ziele gegeben. Aufgrund der Nebensaison war aber nicht mit all zu viel Touristen zu rechnen. Zudem reichten 1.5 Tage für die Besteigung – mehr wollten wir nicht investieren. Wir hatten ja auch noch einiges andere auf unserem Reiseplan.

Wir hatten alles bereits von zu Hause aus organisiert. Auf die Benutzung von Sammeltaxis, etc. wollten wir aus zeitlichen Gründen nicht zurückgreifen und ein weitere Aspekt war es, einen regionalen Führer zu nehmen um auch etwas über die Gegend, Land und Leute zu erfahren. Sie konnten wir die knapp 2 Tage ohne jeglichen organisatorische Aufgaben im Atlas-Gebirge wandern und die Gedanken baumeln lassen.

Angekommen in Imlil, dem Ausgangspunkt für die Tour, trafen wir unseren Führer Mohammed-Ali. Was für ein Name. Ganz überrascht von seinem sehr guten Englisch wirkte er gleich sehr sympatisch auf uns. Bei bestem Wetter zogen wir gemütlich Richtung Mouflon Hütte (3.200 m) los. In Imlil und auch dem darüberliegenden Dorf Armoud, war es so warm, dass wir uns noch im T-Shirt unterwegs waren. Der Weg ist landschaftlich sehr interessant und von Mohammed-Ali erfahren wir viele Dinge über das Atlas-Gebirge.  Wenig später erzählt er mir, dass er jährlich sicherlich 50 – 60 mal den Toubkal besteigt. Viele Menschen kommen uns entgegen. Wenige steigen auf. So treffen wir im Aufstieg immer wieder die gleichen Leute mit denen wir uns etwas austauschen. Die 1.500 Höhenmeter legen wir in einem genussvollen Tempo zurück. Sehr eindrücklich sind die vielen kleinen Kioske (Steinhütten die Souveniers, Essen und Getränke verkaufen). Unser Tagesziel, die Mouflon Hütte, trohnt wie eine grosse Festung im Gebirge. Die Hütte ist an diesem Tag praktisch leer. Neben uns noch ein weiteres Paar, welches ebenfalls die Besteigung des Toubkal geplant hat. Wir bekommen ein kleines Doppelzimmer mit einer schönen Aussicht. Die Steinhütte ist kühl und die wenigen Fenster spenden wenig Licht. Am Abend bekommen wir ein gutes Essen serviert und wie gewohnt in Marokko, viel zu viel. Ich verarbrede mich Mohammed Ali um 4 Uhr zu starten, damit wir pünktlich zum Sonnenaufgang auf dem Gipfel stehen.

Um 3.00 Uhr läutet der Wecker. Gemütlich packe ich meine letzten Sachen und treffe mich mit Mohammed Ali im beheizten Raum. Eine letzte Stärkung bevor es dann pünktlich um 4 Uhr losgeht. Der Himmel ist klar, es hat etwa -5 Grad und es liegt ca. 5 cm Neuschnee. Bereits nach den ersten Metern ist mir klar, ohne Führer wär die Wegfindung schwierig geworden. Der Weg zieht steil über Serpentinen hoch. Schnell verliert sich der Weg in unwegsamen Gelände mit grossen Felsbrocken. An dieser Stelle ist mir ganz klar, ohne Mohammed Ali hätte ich im wahrsten Sinne des Wortes „im Dunkeln“ getappt. Die Orientierung ist schwierig, links und rechts der Mulde wo wir aufsteigen sind hohe Felsen zu erkennen oder zumindest die Kontur. Vereiste Stellen, die meist mit Schnee bedeckt sind, benötigen einen guten Wegsinn. Nun wird der Weg wieder einfacher, aber immer noch steil und ich erkenne weiter oben einen Sattel. Nun macht sich der Tagesanbruch erkennbar und wir erreichen den Sattel auf knapp 4.000 Meter. Erstmalig zeigt sich der Gipfel. Gut 200 Höhenmeter gilt es noch zu meistern. Der weitere Weg zieht nach links unschwer zum Gipfel. Um 6.45 erreichen wir den Gipfel – perfekt zum Sonnenaufgang. Wir geniessen die ersten Sonnenstrahlen, schiessen einige Fotos und sehen die Lichter des knapp 70 Kilometer entfernten Marrakesch. Selbst die Sahara ist in der Ferne zu erkennen. Am Gipfel hat es bestimmt knapp -10 Grad, doch kein Wind und so ist es recht angenehm. Schön auch, dass wir die ersten am Gipfel sind und diesen die ganze Zeit für uns alleine hatten. Wir steigen dann wieder ab. Unter dem Sattel treffen wir dann auf die ersten anderen Gipfelaspiranten. Mühsam quälen sie sich das steile Gelände hinau. Diese Gruppe hatten wir bereits am Morgen kurz nach der Hütte überholt. Weitere Bergsteiger kommen uns im Laufe des Abstiegs entgegen. Angesichts den eisigen Stellen und der Kälte bin ich über die Ausrüstung einiger sehr erstaunt. Entsprechend schwierig gestalten sich einige Stellen für die Turnschuh-Bergsteiger. Um kurz nach 9 Uhr sind wir retour auf der Hütte.

Nach einem kurzen Tee auf der Hütte geht’s Richtung Imlil. 1.500 Höhenmeter Abstieg liegen vor uns. Je tiefer wir kommen – je angenehmer wird die Temperatur. Das Wetter ist traumhaft. Wir nutzen die Zeit um von Mohammed Ali noch mehr über Land und Leute in Marroko, insbesondere auch dem Atlas zu erfahren. Am frühen Nachmittag kommen wir in Imlil in der Zivilisation an und trinken gemeinsam noch Tee. Zeit um uns zu verarbschieden und die Rückfahrt nach Marrakesch anzutreten.

Die Besteigung des Toubkal und die Wanderung im Atlas Gebirge war ein tolles Ergebnis. Gerne noch einmal, doch mit etwas mehr Zeit im Gepäck. Grosser Dank gilt vor allem Mohammed Ali und dem Team unseres Organisators Toubkalguide. Sollte sich jemand für ein Tour im Atlas interessierten – können wir wärmstens empfehlen – alles betens geklappt.

Toubkal Guide
www.toubkalguide.com
info@toubkalguide.com

 

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